Die Stimme des Vogels

Kein Weg führt hier vorbei,
du hörst ihn laut und froh noch singen,
sein Lied verklingt in großen Höh'n.

Es ist, als wärst du wirklich nah dabei,
als klammerst du dich fest
an seine zarten schwarzen Schwingen.

Sein Lied trägt Trauer in dein Herz.
Dir ist's, als brächest du entzwei
und spürest doch kein' Schmerz.

Du atmest schwer, du atmest kurz
und schnappst dann jämmerlich nach Luft.
Endlich, endlich ist es jetzt vorbei.

11. März 2012




Frühling

Zwischen rostigen Schienen
und grauem Schotter
schwebt ganz leicht laue Luft.

Ein zarter Windstoß,
der durch dürre Büsche
und Sträucher huscht,
wirbelt ein letztes trockenes Blatt
des vergangenen Herbstes in die Höhe
und lässt es torkelnd wieder fallen.

Und schon wieder flattert es
braun und gelb vom Boden in die Wärme
direkt in die ersten Sonnenstrahlen.

Diesmal ein Schmetterling.

26. März 2012




Haus

Keiner sah dich kommen,
keiner sah dich gehen.
Versteckt in einer dunklen Ecke
kauerst du im Keller deiner Erinnerungen
und starrst auf staubige Gedanken,
aufgereiht in langen, rauen Regalen.

Keiner sah dich kommen,
keiner sah dich gehen.
Irgendwann tauchtest du auf
im Dachstuhl deiner zukünftigen Möglichkeiten.

Keiner sah dich aus dem Keller kriechen,
keiner dich durch eine Luke steigen.
Keiner traf dich in den Stockwerken der Gegenwart.
Du bliebst tief verborgen
in Gedanken und Träumen
verhangen.

7. Mai 2012